Interview mit Yasin Sebastian Qureshi, Fintech-Visionär, Gründer Swipe Stox und CEO The Naga Group

„Für Swipestox ist die Kooperation mit SpeedLab eine großartige Möglichkeit“
 
Yasin Sebastian QureshiHerr Qureshi, viele Bereiche des Lebens sind digitalisiert – warum ist die menschliche Komponente in der Geldanlage – Fondsmanager, Vermögensverwalter, Finanzberater – noch so stark? 

Der heutige Finanzsektor ist immer noch sehr konsvervativ gegenüber die Implementierung von neuen Technologien eingestellt. Jeder kennt die Redewendung „Too Big To Fail”, wobei es in diesem Zusammenhang wohl eher “Too Big To Move” heißen sollte.
Zudem sehen ich vor allem im Bereich Fondsmanagement und Vermögensverwaltung eine wesentliche Bedeutung des Faktors “Mensch” und von persönlicher Beratung, wenn es um das Fällen von Kaufentscheidungen auf Seiten des Kunden geht.  Stellen wir uns eine fiktive Investitionssumme von 2,5 Milliarden  Euro vor. Will man sich als Kunde hier auf einen Algorithmus verlassen? Als Kunde wird man die zugrundeliegenden Chancen und Risiken doppelt und dreifach abwägen und eigenständig prüfen, bevor eine Entscheidung gefällt wird.
Ein weiterer Aspekt, den man in diesem Kontext nicht außer Acht lassen sollte, ist die Tatsache, dass wir keine standardisierten Märkte haben. Jedes Kreditinstitut hat seine eigene Vermögensverwaltungsabteilung, in der die Mitarbeiter stets darauf bedacht sind, die jeweiligen Finanzmodelle an aktuelle politische und wirtschaftliche Entwicklungen anzupassen.
 

Welche Potenziale sehen Sie für die Digitalisierung in der Geldanlage?

 

Das Potential ist massiv. Jeder redet über Finanztechnologie bzw. Fintech. Wir sind mitten in einem echten Fintech-Boom. Kreditinstitute und Versicherungen leiden unter immensem Kostendruck und schrumpfenden Umsätzen. Somit gibt es meiner Meinung nach lediglich eine Möglichkeit für Banken, um langfristig zu überleben – massive Kostensenkungen und die Automatisierung von Geschäftsprozessen.
 

Können Computer besser als Menschen mit Geld umgehen?

 

Das würde ich definitiv bestätigen, vor allem, wenn wir über die Geldanlage und den Börsenhandel sprechen. Es ist umfänglich bekannt, dass menschliche Emotionen die Performance von Anlegern maßgeblich beeinflussen, da das investierte Geld natürlich stets einen gewissen persönlichen Wert hat. Computer hingegen haben keine Gefühle und können definierten Regeln einfach folgen. Das ist ihr größter Vorteil. Bereits im Jahr 2009 gehe ich in meinem, im SRPINGER Wissenschaftsverlag veröffentlichten, Buch ‚Managed Futures‘ detailliert auf die Vorteile dieser objektiven und emotionsfreien Investitionsstrategien ein. Insoweit ist Robo-Advisory/Algo-Trading ein alter Hut. Die Masse öffnet sich jedoch erst jetzt für das Thema, wohingegen Investment-Profis derartige Instrumente seit Jahrzehnten nutzen.
 

Sie wollen SwipeStox zu einem digitalen Portal für die Geldanlage machen, über das auch die von SpeedLab angebotenen Strategien investiert werden können. Was genau haben Sie vor?

 

SwipeStox ist eine Plattform (verfügbar all iOS-, Android- und Web-App), die die Geldanlage und den Börsenhandel spielerisch  vereinfacht und neu definiert.  Die Plattform ist sowohl für Börsenanfänger ohne jegliches Vorwissen, als auch für echte Börsenprofis interessant, da Jeder von der leicht verständlichen und neuartigen Darstellung der Trading-Welt profitieren kann. Nutzer können ihre Trades sowie ihr Fachwissen mit anderen Nutzern innerhalb der Community teilen. Andere Nutzer haben wiederum die Möglichkeit, diese Trades zu kopieren. Der kopierte Nutzer profitiert hierbei von attraktiven Bonuszahlungen.
Unsere Plattform nutzt einen „Open API“- Ansatz, der es uns ermöglicht die innovative Technologie und Handelsstrategien von SpeedLab in SwipeStox einzubauen. Hierdurch wird jeder SwipeStox-Nutzer demnächst in der Lage sein, mit lediglich einem Klick in ein Robo-Advisory-Produkt zu investieren. Die Kooperation mit SpeedLab zielt hierbei vor allem auch auf passive Investoren ab, die vollautomatisierte Investments bevorzugen und sich nicht tagtäglich mit dem Studieren von komplizierten Charting- und Analysetechniken beschäftigen wollen.
Für SwipeStox stellt die Kooperation mit SpeedLab eine großartige Möglichkeit dar, um das Produktangebot unserer Plattform weiter auszubauen, während SpeedLab vor allem von unserer großen Nutzerzahl profitiert.
 

Könnte es ein Facebook für Geldanlage werden, mit drag und drop-Einzahlungen?

 

Selbstverständlich ist sowas möglich. SwipeStox ist bereits eine Art „Facebook für Börsenhändler“. Wir haben somit bereits die vollständige, technische Infrastruktur geschaffen. Nun müssen wir lediglich die Integration finalisieren und die Darstellung (User Interface) optimieren, um die derartige Geldanlageprodukte  transparent und kundenfreundlich anzubieten.
 

Bisher arbeiten die besten Vermögensverwalter nur für Anlagevermögen ab einer Million Euro aufwärts. Wie wollen Sie das ändern?

 

Wie bereits zuvor erwähnt, haben Kreditinstitute und ihre zugehörigen Vermögensverwaltungsbereiche mit zu hohen Betriebskosten zu kämpfen. Somit sollte also die minimale Investitionssumme groß genug sein, um höhere Verwaltungsgebühren verlangen zu können. Wenn man einen Blick auf die aktuellen Angebote im Bereich Robo-Advisory wirft, werden hier die Verwaltungsgebühren minimiert und sogar oft komplett gestrichen. Das ist das Ergebnis einer voranschreitenden Digitalisierung der Vermögensverwaltung und genau hier sollte man ansetzen, wenn man die Mindestinvestitionssummen verringern möchte und hierdurch  auch dem Mittelstand eine kosteneffiziente Vermögensanlage anbieten kann.
 

Asset Manager klagen über eine zermürbende Regulierung. Behindert dieses Umfeld die Innovation?

 

Nein. Wir sind der Überzeugung, dass wir den richtigen Ansatz haben und erwarten zudem, dass die Regulatorik früher oder später an die neuen Gegebenheiten in der Vermögensverwaltung angepasst wird.  Die Digitalisierung der Vermögensverwaltung sollte eine weitere Risikoart berücksichtigen, wenn wir letztendlich auf der sicheren Seite sein wollen: Die Vermeidung von unerwarteten Börsen-Crashs.
Posted by SpeedLab AG / Posted on 21 Dez
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